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Für eine Handvoll Verse ...

 

Die Vermessung des Himmels

Gebrauchs-Poesie und Gelegenheitsgedichte

 

Meine gesammelten Gedichte:

 

IchBinJaDa Fast alles über mich / LiquidLove Keine Eintagsliebe /  FünfterSein Einer ist immer zu viel /  MehrMeer La Mer du Sud / ReiseJournal Lyrisches Tagebuch einer Südfrankreichreise /  UnterWegs Reisegedichte /  TagTraum Handtaschen-Politik und Alltags-Philosophie / UrbanNature Gelegenheitsgedichte

 

 

Toter Winkel

 

In meinen Träumen bin ich stets heimatlos.

Nie je zu Hause, wie kommt das bloß?

Ich reise mir dauerhaft selbst hinterher.

In Zügen und Schiffen und ganz oft am Meer.

 

In meinen Träumen bin ich meist solitär,

Doch sicher ist eines: Da war vorher wer!

Gerade verlassen, auf der Suche nach mir,

Verpasste Freunde, die ich chronisch verlier.

 

In meinen Träumen bin ich noch lange nicht da

Wo ich vermutlich auch nie jemals war:

Am Anfang, wenn er übergeht in den Schluss,

An dem man „vergessen kann und sich erinnern muss“.

 

 

Fünf Glückseligkeiten

 

Mein erster Adler, ein kleiner Sticker

am Himmel von  Frankfurt black fingers

schwarz und winzig im Auge der Flieger,

die, aufgereiht wie Perlen an feinen Fäden

 

der Fernleitungen, streng Kurs halten auf

die Einflugschneise zum Glück, das schon

wartet auf der Landebahn als gigantische

rosa Pflaumenblüte auf dem silbernen

 

Heckflügel einer chinesischen Maschine.

Fünf Blütenblätter als rosa Versprechen

auf die fünf Glückseligkeiten Buddhas.

 

„Nichts tun,  nichts sein, nur im Herbst

eine Pflaume essen“ macht drei, zwei

heb‘ ich mir auf für schlechte Zeiten.

 

 

Fernschreiben

 

Für Fernschreiber ist

Ferne nur ein Wort

kein andrer Ort,

wo man nicht hier

ist, sondern dort.

Denn in drei Sätzen

ist er fort.

 

Für Fernschreiber ist

Schreiben keine Pflicht

Er liest die Texte als Gedicht,

Wovon sie schweigen,

sprechen sie nicht.

Was nicht gesagt ist, fällt

um so schwerer ins Gewicht.

 

Für Fernschreiber ist

das Loch ein Teil vom Sein

In Karten müssen

immer Löcher rein.

Ein Loch heißt „Aus"

Kein Loch heißt  „Ein".

Das  Loch ist das Andere

Und sei es noch so klein.

 

 

Im Fluss

 

Ein grauer Reiher im Seitenfenster
Auf gleicher Höhe mit weiten Schwingen
Im Stop-and-go vom Berufsverkehr an

 

dem frühen Morgen in Richtung Wasser
um dort zu warten auf kleine Fische
die silbrig glänzen von ganz allein wie

 

der Opel Astra im selben Tempo
in grau metallic im Sonnenschein kurz
vor einer Nonne mit hellem Strohhut

 

nur langsam trampelnd auf ihrem Fahrrad
Und für Momente bin ich im Rhythmus
An diesem Maitag mit allen Drein.

 

 

 

 

 

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